Literatur über Gottfried Mairwöger

Professor Otto Graf -Eröffnungsrede Gottfried Mairwöger, Galerie Ulysses 1975

 

 

Meine Damen und Herren.

 

Ich bitte Sie, sich mit mir zu freuen, dass es den Herrn Gottfried Mairwöger gibt, dass es ihn so gibt wie er da an der Wand hängt, dass es ihn wahrscheinlich einmal so geben wird, welche Gestalt diese Bilder versprechen!

 

Überall sprießen die Galerien aus dem Untergrund, wie die sprichwörtlichen Schwammerln, die Kunstwelt gedeiht und floriert wie jede Unterwelt, die Maler werden mehr und mehr, nur die guten Maler vermehren sich nicht! Die bleiben so selten wie zu allen Zeiten. Daher werden sie immer seltener und sollten dementsprechend unter Kulturschutz der menschlichen Einsamkeit gestellt werden.

 

Ein kluger Schüler Wolfgang Holleghas weiß das natürlich alles und lebt danach, fern vom Getriebe der Kreativen, arbeitend... Denn er muss sich schützen vor der allgemeinen lästerlichen Keckheit des Geistmangels, die überall verzweifelt nach Kultur sucht und vom Himmel daher gerechterweise mit dem Kitsch gelohnt wird.

 

Heute verlangt die törichte Kritik, das neugierige Publikum und die sonstige ahnungslos ahnende, hoffnungslos hoffende öffentliche Herumsteherschaft von einem Maler alles Unmögliche, was nicht zum Handwerk eines malenden Menschen gehört, der schließlich auch nur ein Mensch ist und keines dieser famosen, nie existiert habenden Universalgenies! Da soll er relevant sein, sozial relevant sein, sozialkritisch relevant sein, dort soll er in der politisierten Zirkusarena seinen reellen Pappkameraden stellen, wenn die anderen davonrennen, wieder woanders muss er voll kritischen Ingrimms die Ikonen fabrizieren, auf deren Hinterseite nichts ist als das dahermarschierende, brüllende Nichts, dort und hier sieht das liebe "man" im Maler einen Clown, der die Snobs aller Gehaltsklassen munter mit allem, nur nicht mit anspruchsvoller Malerei zu unterhalten hat, die Klügeren sehen in ihm ein Objekt des Geldverdienens, der zukunftsträchtigen Spekulation und ähnlicher degoutanter Gemeinheiten, noch andere, und das sind die meisten und vor allem die öffentliche "Mehrheit", die genau spüren, wie sehr ihnen jede Kultur abgeht, verlangen, er möge ihnen diese "Kultur", das das Geistige und wie diese Kitschdinge alle heißen, vermitteln, obwohl sie diese schon längst zu einem verzwickten Mittel gemacht haben- also begehren sie alle von diesem malenden Souffleur der Raffaels ohne Hände, Kopf und Fuß, was diese, wenn er ein guter Maler werden möchte und weren muss, nicht leisten kann, ja gar nicht leisten darf, will er seiner Kunst und seiner Berufung treu bleiben!

 

Denn das, was der Maler wirklich kann, kann niemand anderer: das nämlich, was seine sonnenhaften Augen, um dem lieben Plotin die Ehre zu geben, sehen, in sich, um sich, durch sich, durch sich hindurch, und vor allem für alle, in der aufblühenden und aufglühenden Farbenseligkeit zu schenken, denen, die nicht malen sollen, weil sie Besseres, Schlechteres und ganz einfach Anderes, manchmal sogar Wichtigeres gut oder schlecht zu tun haben! Daher ist der Maler, der es versteht, sein sonnenhaftes Auge zu öffnen, den Menschen, den wirklichen, eine Freude, daher kann er die Welt, die viel bunter und düsterer ist als sie uns scheinen mag, gar nicht bunt genug, buntscheckig und lichttoll, lichtvoll, mit einem Wort, fabig genug machen!

 

Jedes gute Bild setzt dem Weltganzen einen schönen, noch nie gesehenen Farbfleck auf, den die Welt nicht missen kann, ohne etwas, vielleicht viel weniger Welt zu sein als es wirklich ist. In der Unterwelt gibt es keine Malerei... Die entsteht nämlich in einer Welt von schlechten Bildern der Vorstellung und der Darstellung, diese unheimliche Unterwelt...

 

So einer, der schöne Tupfen auf den unentzifferbaren Schriftsatz der Welt aufsetzt, scheint mir Gottfried Mairwöger zu sein, über den hier nichts weiter zu sagen ist, ist er doch selbst leibhaftig und kunstvoll ausgeboren gleich doppelt da! Diese Geburten Mairwögers verdienen es, geschaut zu werden, und nicht nur die kalte Partyschulter sehen zu müssen. Es ist Kosmos und Theorie, d.i. schöne menschliche Gestalt, Figur, Wonne, Schmuck, Freude und Schau in ihm und in Ihnen drinnen und will heraus. Darf dieser freudige Kosmos der sonnentrunkenen Augen nicht aus dem Bild heraus, verehrtes Publikum, dann begeht das dumm glotzende Auge einen gemeinen Mord am Bild. Doch das darf nicht sein!

 

"Mit Schweigen singt man schön", belehrt uns, vor allem geschwätzige Hofpoeten und Lobredner, der cherubinische Wandersmann, der zu einer Zeit wanderte, da die Malerei noch etwas gefestigter schien als heute. Also schweige ich wiederum, damit das stumm beredte sprechen der Bilder nicht übertönt sei!

 

Was soll man dem Herrn Mairwöger also wünschen? Erfolg? Da ist sehr viel Vorsicht am Platze- der Erfolg, den diese Welt verbissen sucht, ist die Katastrophe... Also wünsche ich ihm, meine Damen und Herren, in Ihrem Namen, nicht einen Rolls Royce in der Hand, die damit nicht malen kann, sondern die heilige Sophia schöpferischer Einsamkeit im Grünen von Rechberg und das Glück zweier sonnenhafter Augen in seinem Malerkopfherzen! Dann dürfen wir, die wir alle gerne schöne Bilder anschauen, von ihm erwarten, dass er sein Lebtag zu denen gehört, die uns soclche Offenbarungen des verborgenen geheimnisses schenken.

 

Meine Damen und Herren, ich bitte Sie zum Schluss, den Augen zu lauschen, welche diese Bilder in aller Strenge auf uns richten! Denn Sehen ist Liebe zum Geschauten, das uns erblickt, damit wir es anschauen. Dann existiert die Kunst und der Mensch, und verschwindet das Publikum und mein Gerede!